Welche Aussagekraft messen Sie einem Arbeitszeugnis im Rekrutierungsprozess bei? Ich persönlich keine große.

Warum das?
Das liegt vor allem an dem Punkt der „Bewertung der Arbeitsleistung“. Ich kann mir nicht helfen, aber die gesamte Arbeitsleistung einer Person bspw. mit einem „zur vollen/vollsten Zufriedenheit“ zusammengefasst zu bewerten, lässt doch viele Fragen offen. Jedes Stellenprofil ist doch kleinteilig und hat unterschiedlichste Herausforderungen. Es wäre doch interessant zu wissen, in welchen Bereichen es besonders gut geklappt hat und in welchen weniger. Man schaut sich bei einem Abgangszeugnis/Berufsschulzeugnis ja auch nicht nur den Notendurchschnitt an.

Darüber hinaus ist die „Qualität“ der Zeugnisse von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich. Aus Ressourcengründen ist hin und wieder der Umfang eher gering oder das Zeugnis an sich wirklich ein „Einheitsbrei“, bei dem nur der Name geändert wurde. Nicht selten schreibt der Arbeitnehmer sein Zeugnis auch selbst vor und lässt es sich dann nur gegenzeichnen – auch nett.

Die einzigen Dinge in einem Arbeitszeugnis die ich wirklich interessant finde, sind:
a) Der angegebene Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses
b) Genaue Angabe und Beschreibung der ausgeführten Aufgaben
c) Dauer des Arbeitsverhältnisses

Bei allen drei Punkten kann man die wichtigen Aussagen bspw. zum Thema „Wechselhintergrund“ eines Kandidaten gegenprüfen. Natürlich wird an der ein oder anderen Stelle mal „geschönt“. Doch manchmal fehlen einfach einem uns übermittelten Lebenslauf teilweise oder ganz die Angaben zu ausgeführten Tätigkeiten bei einer beruflichen Station – hier hilft das Arbeitszeugnis wieder die Lücken zu schließen.

Wenn es um die Bewertung der Arbeitsleistung eines Kandidaten geht, ziehe ich die Befragung eigener Referenzen einem Arbeitszeugnis klar vor. Auch durch gezielte Fragestellungen zu Themen wie bspw. „Ausdauer/Fleiß“, „Initiative“, „Erfolgsstreben/Misserfolgsvermeidung“ oder „Kritikfähigkeit“ lassen Hinweise über die wahre Güte der Arbeit einer Person zu. Und sei es nur die Antwort auf die Frage „Was meinen Sie – wenn Sie morgen nicht mehr zur Arbeit gehen – was passiert dann?“ Hieraus lässt sich oftmals mehr erkennen, als aus einem Arbeitszeugnis.